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Libanesischer BĂŒrgerkrieg
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Der Libanesische BĂŒrgerkrieg (arabisch ۧÙŰ۱ۚ ۧÙŰŁÙÙÙŰ© ۧÙÙŰšÙۧÙÙŰ©, DMG Al-កarb al-Ahliyya al-LubnÄniyya) dauerte von 1975 bis 1990. In seinem Verlauf bekĂ€mpften sich verschiedene Gruppierungen im Libanon in wechselnden Koalitionen. DarĂŒber hinaus kam es zu mehreren Interventionen durch weitere Staaten.
Die Vielfalt der libanesischen Bevölkerung spielte eine Rolle bei den Konflikten vor und wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs: In den KĂŒstenstĂ€dten waren sunnitische Muslime und meistens rum-orthodoxe Christen die Mehrheit, wĂ€hrend schiitische Muslime ĂŒberwiegend im SĂŒden des Libanons und im nördlichen Beqaa-Tal im Osten ansĂ€ssig waren. Die Drusen und maronitischen Christen lebten noch im 19. Jahrhundert vorwiegend in den bergigen Regionen des Landes (besonders Libanongebirge) und Umgebung.
In der Zeit vor dem BĂŒrgerkrieg war die libanesische Regierung mehr von alteingesessenen Eliten der maronitischen Christen beeinflusst.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] Die Verbindung von Politik und Religion war unter dem französischen Mandat von 1920 bis 1943 verstĂ€rkt worden, und die parlamentarische Struktur des Landes bevorzugte eine fĂŒhrende Position fĂŒr die libanesischen Christen, die damals die Mehrheit der Bevölkerung stellten. Dennoch war die muslimische Minderheit groĂ und der Libanesische Nationalpakt 1943 sollte eine proportionale Beteiligung aller Religionsgemeinschaften garantieren. Dadurch bildete sich ein komplizierter Religionsproporz in allen Bereichen der Politik, den die alten FĂŒhrungsfamilien der Religionsgemeinschaften (genannt zaÊżÄ«m âFĂŒhrer, AnfĂŒhrerâ, Plural: zuÊżamÄÊŸ) fĂŒr eine Aufteilung der Macht im Staat unter ihren Familien und AnhĂ€ngern nutzten. Der Proporz des Nationalpakts verlor aber LegitimitĂ€t, weil sich die Mehrheiten allmĂ€hlich zugunsten der Muslime und innerhalb der Muslime zugunsten der Schiiten verschoben und die Zuwanderung von tausenden PalĂ€stinensern â zunĂ€chst 1948 und erneut 1967 â trug weiter zu einem demografischen Wandel im Libanon bei. Die von Christen dominierte Regierung des Libanon traf zunehmend auf Widerstand von Muslimen, Panarabisten und verschiedenen linksgerichteten Gruppen. Die meistens von zuÊżamÄÊŸ gegrĂŒndeten politischen Parteien bildeten auĂerdem seit den 1930er Jahren zunehmend Parteimilizen, was die VerteilungskĂ€mpfe im damals wohlhabenden Libanon verschĂ€rfte. Im Kalten Krieg trugen diese Spannungen zur politischen Polarisierung bei, was schon die Libanonkrise 1958 verursacht hatte. WĂ€hrend die Christen meist auf der Seite der westlichen Welt standen, unterstĂŒtzten Muslime, Panarabisten und Linke vorwiegend die mit der Sowjetunion verbĂŒndeten arabischen LĂ€nder und das arabische Vereinigungsstreben Gamal Abdel Nassers.cite-ref-hirst-3-0[3] Die Krise konnte zwischen 1958 und 1970 durch die umfassende Reformpolitik des Schihabismus von dem neuen libanesischen PrĂ€sidenten und ehemaligen Armeebefehlshaber Fuad Schihab entschĂ€rft und der Libanon hierdurch stabilisiert werden. Die Beseitigung des Schihabismus durch eine rechts-linke, christlich-muslimische Parteienkoalition 1970 lieĂ den Machtverteilungskonflikt jedoch erneut aufleben.
Kurz danach wurde die FĂŒhrung der PalĂ€stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) im Schwarzen September aus Jordanien in den Libanon vertrieben, den sie wieder zu Angriffen gegen Israel nutzte und verbĂŒndete libanesische Milizen massiv aufrĂŒstete, um eine erneute Vertreibung zu verhindern, was christliche Milizen mit einer GegenaufrĂŒstung beantworteten. Die KĂ€mpfe zwischen libanesischen christlichen Milizen auf der einen Seite und palĂ€stinensischen Guerillas der PLO und verbĂŒndeten, vorwiegend muslimischen und drusischen Milizen auf der anderen begannen schrittweise ab 1971 mit gegenseitigen Ăbergriffen, und der BĂŒrgerkrieg brach im April 1975 voll aus. Die ârechtenâ, christlichen Milizen der Libanesischen Front forderten die Vertreibung der PLO, zumeist aller PalĂ€stinenser, um den Libanon aus dem Nahostkonflikt herauszuhalten. Die âlinkenâ, vorwiegend (aber nicht nur) muslimischen Milizen der Libanesischen Nationalbewegung forderten die Reform oder Abschaffung des Nationalpakts. Kamal Dschumblat drohte sogar wiederholt mit Vertreibung der Christen aus dem Libanon. Es bildete sich eine Allianz zwischen PalĂ€stinensern und libanesischen Muslimen, Panarabisten und Linken gegen christliche, prowestliche, prolibanesische Milizen. Diese gegensĂ€tzlichen Ziele fĂŒhrten zur Eskalation des Konflikts.cite-ref-4[4]
Im Laufe des Konflikts wechselten jedoch die Allianzen und Feindschaften der Milizen schnell und unvorhersehbar. Der BĂŒrgerkrieg verschĂ€rfte sich weiter, als auslĂ€ndische MĂ€chte wie Syrien, Israel und Iran sich einmischten und verschiedene Fraktionen unterstĂŒtzten oder gegen sie kĂ€mpften. Verschiedene Friedenstruppen wie die Multinationale Truppe im Libanon (1982â84 mit Kontingenten aus den USA, UK, Frankreich und Italien) und die United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) und anfangs die Interarabische Sicherheitstruppe (Arab Deterrent Force) waren ebenfalls wĂ€hrend dieser Zeit im Land stationiert. Israel gelang es 1982, die PLO-FĂŒhrung aus Beirut nach Tunis zu vertreiben, woraufhin die Koalitionen der BĂŒrgerkriegsmilizen noch wechselhafter wurden.
Die VerhĂ€ltnisse verschoben sich, als 1988â90 der Oberbefehlshaber der libanesischen Armee Michel Aoun versuchte, alle Milizen mit Waffengewalt zu besiegen. Daraufhin schmiedete die seit Kriegsbeginn im Osten und Norden des Libanon, seit 1987 auch in Westbeirut, stehende syrische Armee ein loses BĂŒndnis mit gegen Aoun eingestellten Einheiten der libanesischen Armee und allen Milizen (von den traditionell prosyrischen Amal und Marada ĂŒber die mit der Islamischen Republik Iran verbĂŒndete Hisbollah und die zuvor mit der PLO verbĂŒndeten Milizen bis hin zu den eigentlich antisyrisch eingestellten Forces Libanaises), welche schlieĂlich gemeinsam Aoun besiegten. 1989 markierte das Abkommen von Taif den Beginn des Endes der Kampfhandlungen, als ein von der Arabischen Liga ernannter Ausschuss begann, Lösungen fĂŒr den Konflikt zu entwickeln.cite-ref-5[5] Der BĂŒrgerkrieg endete 1990, mit einer faktischen syrischen Kontrolle und Besetzung des Libanon bis zur Zedernrevolution 2005. Im MĂ€rz 1991 verabschiedete das libanesische Parlament ein Amnestiegesetz, das alle politischen Verbrechen, die vor Inkrafttreten des Gesetzes begangen worden waren, begnadigte. Im Mai 1991 wurden alle bewaffneten Fraktionen, die im Libanon operierten, aufgelöst, mit Ausnahme der Hisbollah, einer von Iran unterstĂŒtzten schiitischen Islamisten-Miliz, die auch Syrien gegen Israel weiter tolerieren wollte. Seitdem im Mai 2000 die von Israel unterstĂŒtzte SĂŒdlibanesische Armee (SLA) zusammenbrach, ist heute nur noch die Hisbollah vollstĂ€ndig bewaffnet.
Obwohl die libanesischen StreitkrĂ€fte nach dem Konflikt langsam wieder aufgebaut wurden und die einzige groĂe nicht-sektiererische bewaffnete Institution des Libanon darstellten,cite-ref-6[6] war die Zentralregierung weiterhin nicht in der Lage, die bewaffnete StĂ€rke der Hisbollah herauszufordern (und hatte bis 2005 auch kein Interesse daran). Religiöse Spannungen, insbesondere zwischen Schiiten und Sunniten, hielten im Libanon seit dem formalen Ende der Feindseligkeiten im Jahr 1990 an.cite-ref-7[7] Der Nationalpakt wurde in Kompromissform reformiert: Das VerhĂ€ltnis christlicher und muslimischer Parlamentsabgeordneter betrĂ€gt seither 1:1 statt vorher 6:5, und das politisch mĂ€chtigste Amt ist der sunnitische MinisterprĂ€sident, nicht mehr der christliche (meistens maronitische) PrĂ€sident. Aber der Religionsproporz des Nationalpakts wurde trotz Zweifel an seiner ZukunftsfĂ€higkeit nicht aufgehoben, was den damit verbundenen Klientelismus, Nepotismus und die Korruption im Nachkriegslibanon noch deutlich aufleben lieĂ und zunehmend die infrastrukturellen Staatsaufgaben behindert und das vor dem Krieg reiche Land verarmen lĂ€sst (MĂŒllkrise, Verkehrskrise, Wasser- und ElektrizitĂ€tskrise, siehe Proteste im Libanon 2019â20).
Contents
âą Finanzen
âą Kantone
âą Verlauf
âą Ausgang
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Vorgeschichte und Ursachen
Osmanische und europÀische Herrschaft
Im Jahr 1860 brach im Osmanischen Mutasarrifatsgebiet des Libanon ein BĂŒrgerkrieg zwischen Drusen und Maroniten aus. Der Krieg fĂŒhrte zum Massaker an etwa 10.000 Christen und mindestens 6.000 Drusen. Der Erste Weltkrieg stellte fĂŒr die Libanesen eine schwere Zeit dar. Die meisten Araber kĂ€mpften in der Armee des Osmanischen Reiches gegen die britischen und französischen Soldaten. Mit der Niederlage und Auflösung des Osmanischen Reiches (1908â1922) ĂŒbernahm eine französische Verwaltung die Kontrolle ĂŒber das Gebiet unter dem Französischen Mandat fĂŒr Syrien und den Libanon gemÀà dem Völkerbund. Die Franzosen schufen den Staat GroĂlibanon als Zufluchtsort fĂŒr die Maroniten, schlossen jedoch eine groĂe muslimische Bevölkerung innerhalb der Grenzen ein. 1926 wurde der Libanon zur Republik erklĂ€rt, und eine Verfassung wurde verabschiedet. Diese Verfassung wurde jedoch 1932 ausgesetzt. Verschiedene Fraktionen strebten nach einer Vereinigung mit Syrien oder der UnabhĂ€ngigkeit von den Franzosen. 1936 wurde die maronitische Phalange-Partei von Pierre Gemayel gegrĂŒndet, der sich bei der GrĂŒndung seiner Partei von der Inszenierung und der Disziplin der nationalsozialistischen Sturmabteilung bei den olympischen Sommerspielen 1936 inspirieren lieĂ.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]cite-ref-10[10]cite-ref-11[11]cite-ref-12[12]cite-ref-13[13]cite-ref-14[14]
Libanesische UnabhÀngigkeit
Der Zweite Weltkrieg und die 1940er Jahre brachten tiefgreifende VerĂ€nderungen fĂŒr den Libanon und den Nahen Osten. Dem Libanon wurde die UnabhĂ€ngigkeit versprochen, die am 22. November 1943 erreicht wurde. Die Freien Französischen Truppen, die 1941 in den Libanon einmarschiert waren, um Beirut von den Vichy-Franzosen zu befreien, verlieĂen das Land 1946. Die Maroniten ĂŒbernahmen die Macht im Land und in der Wirtschaft. Es wurde ein Parlament geschaffen, in dem sowohl Muslime als auch Christen jeweils eine feste Anzahl von Sitzen erhielten. Demnach sollte der PrĂ€sident ein Maronit, der MinisterprĂ€sident ein sunnitischer Muslim und der ParlamentsprĂ€sident ein schiitischer Muslim sein.
Der Teilungsplan der Vereinten Nationen fĂŒr PalĂ€stina fĂŒhrte zum BĂŒrgerkrieg in PalĂ€stina, zum Ende des britischen Mandats fĂŒr PalĂ€stina und zur israelischen UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung am 14. Mai 1948. Der andauernde BĂŒrgerkrieg verwandelte sich im Arabisch-Israelischen Krieg von 1948 in einen Staatenkonflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten, was dazu fĂŒhrte, dass palĂ€stinensische FlĂŒchtlinge die Grenze zum Libanon ĂŒberquerten.
Im Juli 1958 wurde der Libanon von einem drohenden BĂŒrgerkrieg zwischen maronitischen Christen und Muslimen bedroht. PrĂ€sident Camille Chamoun hatte versucht, die Macht der traditionellen politischen Familien im Libanon zu brechen. Diese Familien sicherten sich ihre Wahlerfolge durch enge KlientelverhĂ€ltnisse mit ihren lokalen Gemeinschaften. Obwohl es ihm gelang, alternative politische Kandidaten fĂŒr die Wahlen 1957 zu fördern, was dazu fĂŒhrte, dass die traditionellen Familien ihre Positionen verloren, begaben sich diese Familien anschlieĂend in einen Krieg gegen Chamoun, der als âKrieg der Paschasâ bezeichnet wird.
In den vorhergehenden Jahren waren die Spannungen mit Ăgypten 1956 eskaliert, als der nicht blockgebundene PrĂ€sident Camille Chamoun die diplomatischen Beziehungen zu den westlichen MĂ€chten, die Ăgypten wĂ€hrend der Suezkrise angegriffen hatten, nicht abbrach, was den Ă€gyptischen PrĂ€sidenten Gamal Abdel Nasser verĂ€rgerte. Dies geschah im Kontext des Kalten Krieges, und Chamoun wurde oft als pro-westlich bezeichnet, obwohl er mehrere Handelsabkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet hatte. Nasser griff Chamoun jedoch wegen seiner vermeintlichen UnterstĂŒtzung fĂŒr den von den USA gefĂŒhrten Bagdad-Pakt an, den Nasser als Bedrohung fĂŒr seinen arabischen Nationalismus ansah. PrĂ€sident Chamoun suchte daher regionale BĂŒndnispartner, um Schutz vor auslĂ€ndischen Armeen zu haben: Der Libanon hatte historisch eine kleine Armee, die angesichts ihrer kosmetischen Natur nicht in der Lage war, die territoriale IntegritĂ€t des Libanon effektiv zu verteidigen. Daher war es spĂ€ter fĂŒr die PLO-Fraktionen bzw. ihre bewaffneten Arme ein leichtes Spiel, in den Libanon einzudringen, StĂŒtzpunkte aufzubauen und bereits 1968 Armeebarracken an der Grenze zu Israel zu ĂŒbernehmen. Erste Gefechte fĂŒhrten dazu, dass die Armee nicht nur die Kontrolle ĂŒber ihre Baracken an die PLO verlor, sondern auch viele Soldaten. Schon zuvor war sich PrĂ€sident Chamoun der Verwundbarkeit des Landes gegenĂŒber Ă€uĂeren KrĂ€ften bewusst.
Doch sein libanesischer panarabischer sunnitischer MinisterprĂ€sident Rashid Karami unterstĂŒtzte Nasser 1956 und 1958. Die libanesischen Muslime drĂ€ngten die Regierung, der neu gegrĂŒndeten Vereinigten Arabischen Republik beizutreten, einem Staat, der aus der Vereinigung von Syrien und Ăgypten hervorgegangen war, wĂ€hrend die Mehrheit der Libanesen, insbesondere die Maroniten, den Libanon als unabhĂ€ngige Nation mit eigenem nationalem Parlament erhalten wollten. PrĂ€sident Camille Chamoun fĂŒrchtete den Sturz seiner Regierung und bat um Intervention der USA. Zu dieser Zeit waren die Vereinigten Staaten im Kalten Krieg engagiert. Chamoun bat um Hilfe und erklĂ€rte, dass Kommunisten seine Regierung stĂŒrzen wĂŒrden. Chamoun reagierte nicht nur auf den Aufstand ehemaliger politischer Bosse, sondern auch auf die Tatsache, dass sowohl Ăgypten als auch Syrien die Gelegenheit genutzt hatten, Stellvertreter in den libanesischen Konflikt zu entsenden. So wurden die Arabische Nationalistische Bewegung (ANM), geleitet von George Habash und spĂ€ter zur Volksfront zur Befreiung PalĂ€stinas (PFLP) und damit zu einer Fraktion der PLO werdend, von Nasser in den Libanon geschickt. Die ANM war eine geheime Miliz, die in den 1950er Jahren auf Befehl Nassers in Versuche von Putschen gegen die jordanische Monarchie und den irakischen PrĂ€sidenten verwickelt war. Die GrĂŒndungsmitglieder von Fatah, darunter Jassir Arafat und Khalil Wazir, reisten ebenfalls in den Libanon, um den Aufstand als Mittel zur Anheizung eines Krieges gegen Israel zu nutzen. Sie beteiligten sich an den KĂ€mpfen, indem sie bewaffnete KrĂ€fte gegen die Regierungssicherheit in der Stadt Tripoli einsetzten.
In jenem Jahr konnte PrĂ€sident Chamoun den maronitischen Armeekommandanten Fuad Chehab nicht ĂŒberzeugen, die StreitkrĂ€fte gegen muslimische Demonstranten einzusetzen, da er befĂŒrchtete, dass eine Einmischung in die Innenpolitik seine kleine und schwache multikonfessionelle Streitmacht spalten könnte. Stattdessen kam die Phalange-Miliz dem PrĂ€sidenten zu Hilfe, um die StraĂenblockaden zu beenden, die die groĂen StĂ€dte lahmlegten. Ermutigt durch ihre BemĂŒhungen wĂ€hrend dieses Konflikts erreichte die Phalange spĂ€ter im Jahr, vor allem durch Gewalt und den Erfolg allgemeiner Streiks in Beirut, was von Journalisten als âGegenrevolutionâ bezeichnet wurde. Durch ihr Handeln stĂŒrzten die Phalangisten die Regierung von MinisterprĂ€sident Karami und sicherten ihrem FĂŒhrer, Pierre Gemayel, einen Platz im vierköpfigen Kabinett, das anschlieĂend gebildet wurde.
SchĂ€tzungen zur Mitgliederzahl der Phalange, wie sie von Yezid Sayigh und anderen wissenschaftlichen Quellen angegeben werden, belaufen sich auf einige Tausend. Nicht-wissenschaftliche Quellen neigen dazu, die Mitgliederzahl der Phalange zu ĂŒbertreiben. Es ist wichtig zu beachten, dass dieser Aufstand bei vielen Libanesen auf weit verbreitete Ablehnung stieĂ, da viele keinen Teil an den regionalen politischen Auseinandersetzungen haben wollten. Viele junge MĂ€nner unterstĂŒtzten die Phalange bei der UnterdrĂŒckung des Aufstands, insbesondere da viele der Demonstranten nicht viel mehr als StellvertreterkrĂ€fte waren, die von Gruppen wie der ANM und den GrĂŒndern von Fatah sowie von den besiegten parlamentarischen Bossen angeheuert worden waren.
PalÀstinensischer Aufstand im Libanon
WĂ€hrend der 1960er Jahre herrschte im Libanon relative Ruhe, doch dies sollte sich bald Ă€ndern. Fatah und andere Fraktionen der PalĂ€stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) waren seit Langem unter den 400.000 palĂ€stinensischen FlĂŒchtlingen in den libanesischen Lagern aktiv. Im Laufe der 1960er Jahre war das Zentrum der bewaffneten palĂ€stinensischen AktivitĂ€ten in Jordanien gewesen, doch nach ihrer Vertreibung durch König Hussein wĂ€hrend des Schwarzen Septembers in Jordanien waren sie gezwungen, sich neu zu orientieren. Fatah und andere palĂ€stinensische Gruppen hatten versucht, einen Putsch in Jordanien zu inszenieren, indem sie eine Spaltung in der jordanischen Armee förderten, etwas, das die Arabische Nationalbewegung (ANM) ein Jahrzehnt zuvor auf Nasser's GeheiĂ versucht hatte. Jordanien reagierte jedoch und vertrieb die KrĂ€fte in den Libanon. Bei ihrer Ankunft schufen sie "einen Staat im Staate". Diese Aktion wurde von der libanesischen Regierung nicht begrĂŒĂt und erschĂŒtterte das fragile konfessionelle Klima des Libanon.
SolidaritĂ€t mit den PalĂ€stinensern wurde durch die libanesischen Sunniten ausgedrĂŒckt, jedoch mit dem Ziel, das politische System von einem der Konsensbildung zwischen verschiedenen Konfessionen hin zu einem zu verĂ€ndern, in dem ihr Machtanteil erhöht wĂŒrde. Bestimmte Gruppen innerhalb der Libanesischen Nationalbewegung (LNM) strebten eine sĂ€kularere und demokratischere Ordnung an, doch als diese Gruppe zunehmend islamistische Gruppierungen umfasste, die durch die PLO ermutigt wurden beizutreten, wurde die ursprĂŒnglich progressivere Agenda bis Januar 1976 aufgegeben. Islamisten unterstĂŒtzten keine sĂ€kulare Ordnung im Libanon und strebten die Herrschaft durch muslimische Geistliche an. Diese Ereignisse, insbesondere die Rolle von Fatah und der Tripoli-Islamistenbewegung, bekannt als Tawhid, fĂŒhrten dazu, dass die Agenda vieler Gruppen, einschlieĂlich der Kommunisten, verĂ€ndert wurde. Diese heterogene Koalition wird oft als linksgerichtet bezeichnet, doch viele Teilnehmer waren tatsĂ€chlich sehr konservativ und hatten religiöse Elemente, die keine breitere ideologische Agenda teilten; vielmehr wurden sie durch das kurzfristige Ziel vereint, die etablierte politische Ordnung zu stĂŒrzen, wobei jede Gruppe durch ihre eigenen MissstĂ€nde motiviert war.
Diese KrĂ€fte ermöglichten es der PLO und Fatah (Fatah stellte 80 % der Mitglieder der PLO und Fatah-Guerillas kontrollierten die meisten ihrer Institutionen), den westlichen Teil Beiruts in ihre Hochburg zu verwandeln. Die PLO hatte Anfang der 1970er Jahre das Herz von Sidon und Tyros ĂŒbernommen und kontrollierte groĂe Teile des SĂŒdlibanon, in denen die einheimische schiitische Bevölkerung die DemĂŒtigung erleiden musste, PLO-Kontrollpunkte zu passieren, und nun hatten sie sich gewaltsam bis nach Beirut vorgearbeitet. Die PLO tat dies mit Hilfe sogenannter Freiwilliger aus Libyen und Algerien, die ĂŒber die von ihr kontrollierten HĂ€fen eingeschifft wurden, sowie einer Reihe von sunnitischen libanesischen Gruppen, die von der PLO/Fatah ausgebildet und bewaffnet worden waren und ermutigt wurden, sich als eigenstĂ€ndige Milizen zu deklarieren. Doch wie Rex Brynen in seiner Veröffentlichung ĂŒber die PLO klarstellt, waren diese Milizen nichts weiter als "Schaufenster" oder auf Arabisch "Dakakin" fĂŒr Fatah, bewaffnete Banden ohne ideologische Grundlage und ohne organischen Grund fĂŒr ihre Existenz, auĂer dass ihre einzelnen Mitglieder auf der Gehaltsliste der PLO/Fatah standen.
Der Streik der Fischer in Sidon im Februar 1975 kann ebenfalls als die erste wichtige Episode angesehen werden, die den Ausbruch der Feindseligkeiten auslöste. Dieses Ereignis betraf ein spezifisches Problem: den Versuch des ehemaligen PrĂ€sidenten Camille Chamoun (ebenfalls Leiter der maroniten-orientierten National-Liberalen Partei), das Fischereiwesen entlang der KĂŒste des Libanon zu monopolisieren. Die von den Fischern wahrgenommenen Ungerechtigkeiten riefen bei vielen Libanesen Sympathie hervor und verstĂ€rkten das weit verbreitete Ressentiment und die Antipathie gegenĂŒber dem Staat und den wirtschaftlichen Monopolen. Die Demonstrationen gegen das Fischereiunternehmen verwandelten sich schnell in eine politische Aktion, die von der politischen Linken und ihren VerbĂŒndeten in der PalĂ€stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) unterstĂŒtzt wurde. Der Staat versuchte, die Demonstranten zu unterdrĂŒcken, und ein ScharfschĂŒtze tötete Berichten zufolge eine populĂ€re Persönlichkeit der Stadt, den ehemaligen BĂŒrgermeister von Sidon, Maarouf Saad.
Viele nicht-akademische Quellen behaupten, ein RegierungsscharfschĂŒtze habe Saad getötet; es gibt jedoch keine Beweise, die eine solche Behauptung stĂŒtzen, und es scheint, dass derjenige, der ihn tötete, beabsichtigte, dass das, was als kleine und ruhige Demonstration begann, zu etwas GröĂerem eskaliert. Der ScharfschĂŒtze zielte auf Saad genau am Ende der Demonstration, als sie sich auflöste. Farid Khazen, der sich auf die lokalen Geschichtsschreibungen von Sidon-Akademikern und Augenzeugen stĂŒtzt, gibt eine Ăbersicht ĂŒber die rĂ€tselhaften Ereignisse des Tages basierend auf deren Forschungen. Andere interessante Fakten, die Khazen basierend auf der Arbeit der Sidon-Akademiker enthĂŒllt, beinhalten, dass Saad nicht im Streit mit dem Fischereikonsortium stand, das aus jugoslawischen Staatsangehörigen bestand. TatsĂ€chlich hatten die jugoslawischen Vertreter im Libanon mit der Fischergewerkschaft verhandelt, um die Fischer zu Anteilseignern des Unternehmens zu machen; das Unternehmen bot an, die AusrĂŒstung der Fischer zu modernisieren, ihren Fang zu kaufen und ihrer Gewerkschaft eine jĂ€hrliche Subvention zu gewĂ€hren. Saad, als Gewerkschaftsvertreter (und nicht als BĂŒrgermeister von Sidon zu dieser Zeit, wie viele fehlerhafte Quellen behaupten), wurde ebenfalls ein Platz im Vorstand des Unternehmens angeboten. Es gab einige Spekulationen, dass Saads Versuche, die Differenzen zwischen den Fischern und dem Konsortium zu verringern, und seine Annahme eines Platzes im Vorstand ihn zu einem Ziel des Angriffs durch den Verschwörer machten, der einen vollstĂ€ndigen Konflikt um den kleinen Protest herum anstrebte. Die Ereignisse in Sidon blieben nicht lange eingedĂ€mmt. Die Regierung begann 1975, die Kontrolle ĂŒber die Situation zu verlieren.
Politische Spaltung und Sektierertum
Im Vorfeld des Krieges und in seinen frĂŒhen Phasen versuchten die Milizen, politisch orientierte, nicht-sektiererische KrĂ€fte zu sein, doch aufgrund der konfessionellen Natur der libanesischen Gesellschaft erhielten sie zwangslĂ€ufig ihre UnterstĂŒtzung von derselben Gemeinschaft, aus der ihre AnfĂŒhrer stammten. Auf lange Sicht identifizierten sich fast alle Milizen offen mit einer bestimmten Gemeinschaft. Die beiden Hauptallianzen waren die Libanesische Front, bestehend aus nationalistischen Maroniten, die gegen die palĂ€stinensische Militanz im Libanon waren, und die Libanesische Nationalbewegung, die aus pro-palĂ€stinensischen Linken bestand. Die LNM löste sich nach der israelischen Invasion von 1982 auf und wurde durch die Libanesische Nationale Widerstandsfront ersetzt, die auf Arabisch als Jammoul bekannt ist.
WĂ€hrend des Krieges operierten die meisten oder alle Milizen mit wenig RĂŒcksicht auf die Menschenrechte, und der konfessionelle Charakter einiger Schlachten machte unbeteiligte Zivilisten hĂ€ufig zu Zielen.
Finanzen
Mit dem Fortgang des Krieges entwickelten sich die Milizen immer mehr zu mafiaÀhnlichen Organisationen, wobei viele Kommandanten sich mehr dem Verbrechen als dem KÀmpfen widmeten. Die Finanzierung der Kriegsanstrengungen wurde auf eine oder alle der folgenden drei Weisen beschafft:
Externe UnterstĂŒtzung: Insbesondere von Syrien oder Israel. Auch andere arabische Regierungen und Iran stellten erhebliche Mittel bereit. Allianzen wechselten hĂ€ufig. Lokale Bevölkerung: Die Milizen und die politischen Parteien, denen sie dienten, glaubten, dass sie die legitime moralische AutoritĂ€t besĂ€Ăen, um Steuern zu erheben, um ihre Gemeinschaften zu verteidigen. StraĂenkontrollen waren eine besonders gĂ€ngige Methode, um diese (angeblich) legitimen Steuern einzutreiben. Solche Steuern wurden prinzipiell von einem GroĂteil der Bevölkerung, die sich mit der Miliz ihrer Gemeinschaft identifizierten, als legitim angesehen. Allerdings nutzten viele MilizionĂ€re Steuern/Zölle als Vorwand, um Geld zu erpressen. DarĂŒber hinaus erkannten viele Menschen die SteuererhebungsautoritĂ€t der Milizen nicht an und betrachteten alle GeldbeschaffungsaktivitĂ€ten der Milizen als mafiaĂ€hnliche Erpressung und Diebstahl. Schmuggel: WĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs entwickelte sich der Libanon zu einem der gröĂten Produzenten von BetĂ€ubungsmitteln weltweit, wobei ein GroĂteil der Haschischproduktion im Bekaa-Tal konzentriert war. Allerdings wurde auch vieles andere geschmuggelt, wie Waffen und Nachschub, allerlei gestohlene Waren und regulĂ€re HandelsgĂŒter. Krieg hin oder her, der Libanon gab seine Rolle als Mittelsmann im europĂ€isch-arabischen GeschĂ€ft nicht auf. Viele Schlachten wurden um die libanesischen HĂ€fen gefĂŒhrt, um den Schmugglern Zugang zu den Seewegen zu verschaffen.
Kantone
WĂ€hrend die AutoritĂ€t der Zentralregierung zerfiel und rivalisierende Regierungen den nationalen Anspruch erhoben, begannen die verschiedenen Parteien/Milizen, umfassende staatliche Verwaltungen in ihrem Gebiet zu schaffen. Diese wurden als Kantone, schweizerĂ€hnliche autonome Provinzen, bezeichnet. Der bekannteste war âMarounistanâ, das Gebiet der Phalangisten/Libanesischen StreitkrĂ€fte. Das Gebiet der Progressiven Sozialistischen Partei war die âZivilverwaltung des Gebirgesâ, allgemein bekannt als der Jebel-el-Druze (gemeint ist der Gebirgsabschnitt Chouf des Libanongebirges sĂŒdöstlich von Beirut, mit dem Namen wurde frĂŒher auch ein drusischer Staat im Hauran-Gebirge im SĂŒden Syriens verwendet bezeichnet). Das Marada-Gebiet um Zgharta war als âNördlicher Kantonâ bekannt.cite-ref-15[15]cite-ref-0-16-0[16]cite-ref-17[17]cite-ref-canton-18-0[18]
Wilton Wynn, ein Korrespondent des Magazins TIME, besuchte im Jahr 1976 das christliche Kanton Ost-Beirut, das im selben Jahr gegrĂŒndet wurde.cite-ref-canton-18-1[18] Er berichtete, dass im Vergleich zu den Dörfern auĂerhalb des Kantons in den maronitischen StĂ€dten und Dörfern kein MĂŒll die StraĂen verschmutzte, das Benzin ein FĂŒnftel des Preises kostete, der in West-Beirut verlangt wurde, und der Brotpreis auf einem Niveau kontrolliert wurde, das mit den Preisen vor dem Krieg vergleichbar war.cite-ref-canton-18-2[18]
Verlauf
Am Anfang wurde vor allem zwischen der Nationalen Bewegung aus muslimischen, palĂ€stinensischen und linken KrĂ€ften und der Libanesischen Front aus christlichen, vor allem maronitischen Gruppen, gekĂ€mpft. Dazu kamen auch noch syrische Interventionen, die unter anderem 1976 mit dem Mandat der Arabischen Liga und einer 30.000 Mann starken Interarabischen Sicherheitstruppe zu Gunsten der maronitischen Gruppierungen eingriffen. Innerhalb der Libanesischen Front errangen die rechtsgerichteten Phalangisten der Maroniten unter Pierre Gemayel den dominierenden Einfluss. Seit 1979 kam es auch noch zu KĂ€mpfen zwischen den sunnitischen (Murabitun-Miliz) und schiitischen Milizen sowie zwischen libanesischen und palĂ€stinensischen sowie prosyrischen (Amal-Miliz) und proiranischen Gruppierungen â VorlĂ€ufern der Hisbollah.
Als direkte Reaktion auf den KĂŒstenstraĂen-Anschlag und um die StĂŒtzpunkte der PLO im sĂŒdlichen Libanon zu zerschlagen, drang Israel eine Woche lang (14. bis 21. MĂ€rz 1978) in den sĂŒdlichen Libanon ein. Die Operation Litani sollte die Nordgrenze Israels vor bewaffneten Attentaten und Ăbergriffen schĂŒtzen. SpĂ€ter unterstĂŒtzte Israel die christlichen Milizen und die israelfreundliche SĂŒdlibanesische Armee (SLA) mit Geld, AusrĂŒstung und Hilfen bei der Ausbildung.
Von Juni bis September 1982 fĂŒhrten israelische StreitkrĂ€fte den Libanon-Feldzug mit dem Ziel, die bewaffneten palĂ€stinensischen Strukturen zu zerschlagen. Israelische StreitkrĂ€fte lieferten sich 1982 heftige KĂ€mpfe mit syrischen Truppen, belagerten dann West-Beirut und zwangen die PLO zum RĂŒckzug aus dem Libanon. Dieser RĂŒckzug wurde von der Multinational Force in Lebanon (MNF) kontrolliert und im August 1982 abgeschlossen. Die MNF bestand aus rund 1200 US-Marineinfanteristen, 800 französischen, 400 italienischen und rund 100 britischen Soldaten.
Der Maronit und FĂŒhrer der Phalangisten, Bachir Gemayel (Sohn von Pierre Gemayel) wurde am 23. August zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Am 14. September 1982 starb Bachir Gemayel durch ein Bombenattentat. Zwei Tage spĂ€ter verĂŒbten etwa 150 MilizionĂ€re in den palĂ€stinensischen FlĂŒchtlingslagern Sabra und Schatila ein Massaker. Die SchĂ€tzungen ĂŒber die Zahl der Opfer sind sehr umstritten und reichen von 460 bis 2500. Das israelische MilitĂ€r hatte die MilizionĂ€re â unter der Vorgabe, dort nach Waffenlagern zu suchen â in die Lager geschickt. Das verschĂ€rfte Aufeinandertreffen von Israel und dem sowjetischen VerbĂŒndeten Syrien bewegte die USA von 1981 zu einem stĂ€rkeren Eingreifen in den BĂŒrgerkrieg. Diplomatische BemĂŒhungen aus Washington wurden von nun an vorĂŒbergehend ein weiterer bestimmender Faktor in dem Konflikt. Zudem erhielt nach dem Libanon-Feldzug der Einfluss Israels auf den BĂŒrgerkrieg eine neue QualitĂ€t, da das Nachbarland eine âSicherheitszoneâ im SĂŒden des Libanon bis zum Jahr 2000 besetzt hielt.
Nach Bachirs Tod wurde dessen Ă€lterer Bruder Amin Gemayel PrĂ€sident; er hatte das Amt eine volle Amtsperiode (sechs Jahre) inne. Er wurde von den USA und Israel grundsĂ€tzlich als stabilisierender Faktor angesehen und unterstĂŒtzt. Allerdings sperrte die US-Regierung sich strikt gegen eine Ausweitung der MNF auf bis zu 30.000 Mann, die Gemayel zur UnterdrĂŒckung weiterer KĂ€mpfe zwischen den Milizen einzusetzen gedachte.cite-ref-andersson-waage-19-0[19] Die wĂ€hrend Amin Gemayels Amtszeit zwischen den BĂŒrgerkriegsparteien gefĂŒhrten FriedensgesprĂ€che blieben erfolglos. Die Phalangisten verloren unter Gemayel innerhalb der Libanesischen Front an Einfluss, als die christliche Rechte sich spaltete.
Bis Ende 1982 versuchten US-Diplomaten erfolglos, Israel und Syrien zu einem aufeinander abgestimmten, beidseitigen Abzug ihrer Truppen aus dem Libanon zu bewegen. Danach lehnte die USA sich wieder stÀrker an Israel an und versuchten, einen Frieden zwischen dem Land und Libanon mit einem schrittweisen einseitigen Truppenabzug zu vermitteln.cite-ref-andersson-waage-19-1[19] Das daraus hervorgehende Abkommen vom 17. Mai 1983 zwischen den USA, Israel und Libanon erwies sich als ein Fehlschlag.
Am 18. April 1983 griff die Hisbollah, die seit Herbst 1982 von Syrien und Iran massiv aufgebaut worden war, die US-Botschaft in Beirut mittels einer Autobombe an. Dabei starben 63 Menschen, darunter Robert Ames, der Regionalleiter des US-Auslandsgeheimdienstes CIA. Ebenfalls im FrĂŒhjahr 1983 schlossen sich VerbĂŒndete Syriens zur Nationalen Rettungsfront zusammen, darunter der Ex-PrĂ€sident Suleiman Frangieh, der DrusenfĂŒhrer Walid Dschumblat und Teile der PLO, die den Abzug verweigert hatten. Das BĂŒndnis ging sowohl gegen israelische und US-Truppen als auch gegen die Regierung Gemayel vor.
Am 4. Juli 1983 kĂŒndigte Israel den RĂŒckzug seiner Truppen in die sĂŒdliche Sicherheitszone an. Den durch den ersten Abzugsschritt frei werden Raum rund um das Libanongebirge versuchten sowohl Regierungstruppen mit US-UnterstĂŒtzung als auch Drusenmilizen unter Dschumblat zu besetzen, die dort ihre Kerngebiete hatten. Die folgenden KĂ€mpfe in den Distrikten Chouf und Alayh wurden als Bergkrieg bezeichnet. Wegen dieses Konflikts, in dem die Drusen die Oberhand zu gewinnen begannen, und des zunehmenden Drucks anderer politischer Gruppen stand Gemayel im SpĂ€tsommer 1983 kurz vor dem RĂŒcktritt. Ein Staatszerfall des Libanon drohte. Verhandlungen des neuen US-Beauftragten fĂŒr den Mittleren Osten, Robert McFarlane, in Syrien fĂŒhrten eher zu einer VerschĂ€rfung des Tons: WĂ€hrend die USA mit dem Kreuzen von Marineeinheiten vor der syrischen KĂŒste drohten, kĂŒndigten die Syrer fĂŒr diesen Fall die Versenkung der Schiffe an, falls nötig mit sowjetischer Hilfe. Anfang September 1983 wurde die US-Botschaft in Beirut unter Artilleriefeuer genommen. PrĂ€sident Reagan ordnete daraufhin eine aggressive Gegenwehr der im Land befindlichen Marines gegen mögliche Provokationen an und beorderte das Schlachtschiff New Jersey vor die libanesische KĂŒste. Am 19. September gab das Schiff einer libanesischen Regierungsbrigade ArtillerieunterstĂŒtzung, die im Ort Souk El Gharb von Einheiten der Nationalen Rettungsfront eingeschlossen waren. Kurz darauf mĂ€Ăigten die syrischen VerbĂŒndeten ihren politischen und militĂ€rischen Druck gegen die libanesische Regierung, so dass Gemayel im Amt blieb. Allerdings waren die US-Truppen damit von einer bisher neutralen Ordnungsmacht zur Partei im BĂŒrgerkrieg auf der Seite der Regierung geworden. Auch in den folgenden Monaten kam es immer wieder zum Einsatz amerikanischer Schiffsartillerie gegen Ziele im Libanon.
Am 23. Oktober 1983 wurden zwei verheerende gleichzeitige BombenanschlĂ€ge auf die UnterkĂŒnfte der US-Marines und der französischen FallschirmjĂ€ger verĂŒbt; 241 US-Soldaten und 58 Franzosen starben. Weder auf diplomatischer noch auf militĂ€rischer Ebene gelang den USA eine klare Reaktion. Die FlottenprĂ€senz wurde Mitte November auf eine FlugzeugtrĂ€gerkampfgruppe ausgeweitet, zu der sich beobachtende sowjetische Kriegsschiffe gesellten. Bei einem versuchten Luftschlag gegen syrisch-sowjetische Luftabwehrstellungen in der Bekaa-Ebene wurden zwei US-Kampfflugzeuge abgeschossen. Allerdings war auch die syrische Seite wegen einer schweren Herzerkrankung des PrĂ€sidenten Hafiz al-Assad und eines Putschs seines Bruders vorĂŒbergehend nur eingeschrĂ€nkt handlungsfĂ€hig. Nachdem letzte diplomatische Versuche der USA gescheitert waren, wenigstens getrennte Operationsgebiete Israels und Syriens im Libanon zu erreichen, und wegen des wachsenden innenpolitischen Drucks ordnete US-PrĂ€sident Reagan am 7. Februar 1984 die Verlegung der Marineinfanterie und damit des tragenden Teils der MNF auf die Schiffe vor der libanesischen KĂŒste an. Der Abzug der US-Truppen war am 27. Februar abgeschlossen, der der restlichen internationalen Truppen bis zum April.cite-ref-andersson-waage-19-2[19]
PrĂ€sident Gamayel kĂŒndigte nach GesprĂ€chen in Damaskus das niemals wirksame Abkommen vom 17. Mai auf und nĂ€herte sich damit an Syrien an, wodurch er im Amt bleiben konnte. Im September 1984 wurde zudem ein weiterer Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Beirut verĂŒbt. FĂŒr die AnschlĂ€ge wurde die Hisbollah verantwortlich gemacht, die jedoch dementierte, darin verwickelt zu sein. Die mit US-Hilfe wiederaufgebauten libanesischen StreitkrĂ€fte zerfielen nun wieder in konfessionell orientierte Milizen. Insgesamt lieĂ das diplomatische Interesse der USA an einer Beeinflussung des libanesischen BĂŒrgerkriegs stark nach. Israel zog seine Truppen bis Juni 1985 auf einen Teil des sĂŒdlichen Libanon (âSicherheitszoneâ) zurĂŒck; sie hielten diesen bis zum Sommer 2000 gemeinsam mit der SLA besetzt.
Im Mai 1985 wurden Sabra, Schatila und Burj el-Barajneh erneut Schauplatz schwerer KĂ€mpfe (erster âLagerkriegâ), diesmal zwischen der palĂ€stinensischen PLO und der schiitischen Amal-Miliz.
Menschenrechtsverletzungen wÀhrend des Krieges
In einer FrĂŒhphase des Krieges ereignete sich das Massaker von Karantina, als christliche Milizen PalĂ€stinenser, Schiiten und andere Zivilpersonen im christlich dominierten Ostteil von Beirut ermordeten. Nur zwei Tage spĂ€ter wurde in Damur das Massaker von Damur von palĂ€stinensischen und muslimischen Milizen gegen Hunderte von christlichen Zivilisten verĂŒbt. Ein weiteres Massaker des Krieges fand in Sabra und Schatila statt, wo phalangistische FreischĂ€rler im sĂŒdlichen Stadtgebiet von Beirut ĂŒber 1000 palĂ€stinensische FlĂŒchtlinge töteten.
Ausgang
Als sich das libanesische Parlament 1988 nicht auf einen Nachfolger fĂŒr Amin Gemayel einigen konnte, ernannte er den MilitĂ€rstabschef General Michel Aoun zum Regierungschef, der im MĂ€rz 1989 einen Befreiungskrieg gegen Syrien erklĂ€rte. Es kam zur Ausrufung einer muslimischen Gegenregierung und in der Syrien-Frage zum Bruch zwischen dem Maroniten Aoun und dem ebenfalls maronitischen MilizenfĂŒhrer Samir Geagea, was schwere KĂ€mpfe zwischen den christlichen Forces Libanaises und den von Aoun befehligten christlichen Teilen der regulĂ€ren StreitkrĂ€fte nach sich zog. Letztere wurden im Oktober 1990 von der anrĂŒckenden syrischen Armee vernichtend geschlagen. Bereits im Oktober 1989 war in Ta'if unter der Vermittlung von Saudi-Arabien ein Friedensabkommen unterzeichnet worden, das u. a. eine paritĂ€tische Sitzverteilung von Muslimen und Christen im libanesischen Parlament vorsah. Nach Aouns Niederlage konnte das Abkommen in Kraft treten.
Der BĂŒrgerkrieg forderte 90.000 Todesopfer, 115.000 Verletzte und 20.000 Vermisste. 800.000 Menschen flohen ins Ausland. Ein unter syrischem Druck geschlossener âKooperationsvertragâ im Mai 1991 machte den Libanon bis 2005 praktisch zum syrischen Protektorat.
Das Eisenbahnnetz des Libanon (Chemin de fer de lâĂtat Libanais, CEL) wurde durch den BĂŒrgerkrieg zerstört und ist heute vollstĂ€ndig stillgelegt.
Literatur
âą Robert Fisk: Pity the Nation: Lebanon at War, Oxford 2001.
âą Theodor Hanf: Libanon-Konflikt. In: Udo Steinbach / RĂŒdiger Robert: Der Nahe und Mittlere Osten. Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Geschichte, Kultur, Band 1, Grundlagen, Strukturen und Problemfelder, Opladen 1988, S. 663â680, ISBN 978-3-8100-0705-6.
âą Theodor Hanf: Koexistenz im Krieg. Staatszerfall und Entstehen einer Nation im Libanon. Nomos, Baden-Baden 1990, ISBN 978-3-7890-1972-2.
âą Farid el-Khazen: The Breakdown of the State in Lebanon 1967â1976. Oxford 2000. JSTOR:27933807.
âą Ulrich Kienzle: Abschied von 1001 Nacht. Mein Versuch, die Araber zu verstehen, Edition Sagas, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-9812510-7-4.
âą Martin Rink: Der BĂŒrgerkrieg im Libanon, 1975 bis 1990, in: Naher Osten (= Wegweiser zur Geschichte), 2. ĂŒberarbeitete Auflage, im Auftrag des MilitĂ€rgeschichtlichen Forschungsamtes, hrsg. von Bernhard Chiari und Dieter H. Kollmer unter Mitarbeit von Martin Rink, Schöningh, Paderborn 2009, S. 120â135, ISBN 978-3-506-76759-2.
Weblinks
Commons
: Libanesischer BĂŒrgerkrieg
â Sammlung von Bildern und Videos
âą Beckmann, Oliver: Kriegsökonomien der Neuen Kriege. Möglicher Grund des ungemein langen Fortbestehens des Libanonkrieges? (PDF) Grin Verlag fĂŒr akademische Texte 2006
âą Alexander Jenniches: Gedenken an den Ausbruch des BĂŒrgerkrieges (Memento vom 26. Dezember 2005 im Internet Archive) In: Beirut-Reporter.de, 13. April 2005.
âą Abe F. March: To Beirut and Back â An American in the Middle East. ISBN 1-4241-3853-1 (online (Archiv))
âą Der libanesische Krieg (YouTube), fĂŒnfzehnteilige libanesische TV-Reportage mit Interviews von libanesischen, palĂ€stinensischen und seltenen sonstigen arabischen, amerikanischen, israelischen, syrischen u. a. Akteuren und Beobachtern (Arabisch mit englischen Untertiteln) Folge 1: âFeuertaufeâ, Folge 2: âDie Wurzeln des Konfliktsâ, Folge 3: âExplosionâ, Folge 4: âTod eines Staatesâ, Folge 5: âDamaskus interveniertâ, Folge 6: âFeuer und Bernsteine (=Hoffnungsschimmer)â, Folge 7: âZahlĂ© und der "Indian Summer"â, Folge 8: âSharon greift einâ, Folge 9: âBesetzung einer arabischen Hauptstadtâ, Folge 10: âDas Massakerâ (Sabra und Shatila) (vergleichsweise ausfĂŒhrliche Zeugenaussagen), Folge 11: âNiederlage einer Supermachtâ, Folge 12: âChaosâ, Folge 13: âDamaskus kommt wiederâ, Folge 14: âDer Sturmâ, Folge 15: âKonsens zum Kriegsendeâ
Einzelnachweise
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